Die Entwicklung der Kerze

Als Vorgänger der uns heute bekannten Kerzen kann man die einstigen Öl- und Talglampen nennen. Doch die Geschichte der Kerzen begann im Orient bereits vor mehr als 3000 Jahren. Die damaligen Kerzen wurden aus Hanf, Stroh und Schilfrohr hergestellt und lassen sich mit den Wachskerzen, die wir heute kennen, kaum vergleichen. Etwa seit dem 2. Jahrhundert n. Chr. wurden von den Römern Pech-, Talg- und Wachskerzen verwendet. Da christliche Kirchen einen großen Bedarf an Kerzen hatten, stellte Bienenwachs im Mittelalter ein sehr bedeutendes Handelsgut dar. Diesen Kerzenrohstoff konnten sich allerdings nur die Kirchen und die Adelshäuser leisten, da dieser zur damaligen Zeit noch sehr teuer war. Bienenwachs war sogar so wertvoll, dass er zudem als Zahlungsmittel akzeptiert wurde. Normale Bürger konnten sich Wachskerzen natürlich nicht leisten und mussten sich daher mit Kienspänen oder Talgkerzen zufriedengeben. Diese Kerzen aus Talg stellte man aus Rinderfettgewebe oder Hammeltalg her und wurden „Unschlittkerzen“ genannt. Im Nordwesten von Europa bezeichnete man sie auch als „Binsenlichter“. Durch das verwendete Fett und den Talg verbreiteten diese Unschlittkerzen natürlich einen abscheulichen Geruch, den die Menschen damals jedoch gerne in Kauf nahmen, um überhaupt bei Dunkelheit ein Licht zu haben. Zudem musste bei diesen Kerzen der Docht noch ständig gekürzt werden. Mit diesem „Schneuzen“, wie dieses Kürzen auch genannt wurde, vermied man das Tropfen und das Rußen der Kerzen. Bereits seit 1061 ist eine Innung der Lichtzieher aus Frankreich bekannt. Rund 300 Jahre später wurde die Innung der Kerzengießer in Hamburg gegründet. Seit dem späten Mittelalter gab es auch in London zwei Gesellschaften der Kerzenhändler: die Talgkerzenhändler und die Wachskerzenhändler. Im 17. Jahrhundert wurden Talgkerzen dann mit Arsenik geweißt, was natürlich sehr gesundheitsschädlich war. Dies verbesserte sich allerdings, als man 1725 Walrat als Kerzengrundstoff einsetzte. Walrat wurde aus dem Öl der Knochenschädel von Pottwalen gewonnen und verlieh den Kerzen einen natürlichen Glanz. Diese glänzenden weißen Kerzen stellten jedoch damals noch einen gewissen Luxus dar, der vorerst lediglich der reicheren Gesellschaft vorbehalten war. Erste große Produktionsstätten für Kerzen entstanden Ende des 18. Jahrhunderts. Somit verbreiteten sich Kerzen nun langsam unter dem gesamten Volk. Durch die Entdeckung der Rohstoffe Paraffin und Stearin im 19. Jahrhundert, die sich zur Herstellung der Kerzen eigneten, wurden Kerzen nun endlich zu einem für jedermann erschwinglichen Gebrauchsgegenstand. Auch die ständige Weiterentwicklung der Docht-Beschaffenheit verbesserte die Leuchteigenschaften der Kerzen erheblich. Heute sind Kerzen in unglaublich vielen Formen und Farben, und sogar mit Duft erhältlich. Obwohl sie längst nicht mehr als Lichtquelle dienen müssen, sind sie als äußerst beliebter Gegenstand aus unserer Gesellschaft nicht mehr wegzudenken.


Aus was besteht eine Kerze?

Eine Kerze besteht im Allgemeinen aus einem Docht und einem Körper, der brennt. Dieser Brennkörper wird aus Paraffin, Stearin, Bienenwachs oder aus deren Mischung hergestellt. Paraffin ist eine Kohlenwasserstoffverbindung, die man durch ein aufwendiges Verfahren aus Erdöl gewinnt. Festes Paraffin weist eine Schmelztemperatur von etwa 50-60 °C auf und zeichnet sich durch eine durchscheinende, weiße, feste Masse aus.


Die Herstellung von Kerzen

Es gibt verschiedene Methoden um Kerzen herzustellen. Im Allgemeinen werden sie durch Pressen, Gießen, Aufgießen, Ziehen, Tauchen, Kneten oder Wickeln angefertigt. Die günstigste Methode, um Kerzen herzustellen, ist das Pressen der Kerzen. Hierbei wird ein Pulver aus Wachs in einem Zylinder unter enormen Druck von zwei Stempeln gepresst, wodurch sich das Pulver verhärtet.


Wie brennt eine Kerze?

So schlicht eine Kerze auch aufgebaut ist, so kompliziert und aufregend ist ihre Funktionsweise. Wie bei jedem anderen Feuer auch (rasche chemische Verbrennung) müssen drei Komponenten als Voraussetzung zum Brennen vorhanden sein: Sauerstoff, Wärme und Material zum Verbrennen. Bei Raumtemperatur weist der Brennkörper einer Kerze einen beständigen Aggregatszustand auf und ist somit nur schwer entzündbar.


Der sichere Umgang mit Kerzen

Auch wenn brennende Kerzen eine offene Zündquelle darstellen, sind sie nicht grundlegend gefährlich. Beachtet man einige Regeln, bleiben Kerzen das, was sie sein sollen: ein Symbol der Gemütlichkeit. Kerzen werden in der Regel in Kerzenständern oder Laternen befestigt, somit haben sie einen guten Halt und die Gefahr des Umfallens wird gehemmt.


Bedeutung der Kerzen in der Religion

In den religiösen Vorstellungen unzähliger Kulturen wird der brennenden Kerze eine große Bedeutung geschenkt. Diese symbolisiert nicht nur bei den Christen die Seele, die dem dunklen Reich des Todes Helligkeit verschafft. Das Anzünden der Osterkerze im Christentum ist das Symbol der Auferstehung Christi aus dem Tod. In germanischen und nordischen Kulturen zündet man einige Tage vor der Wintersonnwende ebenfalls eine Kerze an: die Julkerze.